Die Hotel-Tuner mit Weitblick
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Knisternde Gespräche am Kaminfeuer
In unserem Fachblog "Kamingespräche" schreibe ich zusammen mit Gastbloggern
über Erfahrungen, Informationen und Trends in der Hotellerie.
Ziel ist es, objektiv und fair zu kommunizieren, dabei dürfen persönliche Werte,
Emotionen und vor allem das Herz nicht zu kurz kommen. Ganz nach dem Motto:
"Der Verstand kann uns sagen, was wir unterlassen sollen.
Aber das Herz kann uns sagen, was wir tun müssen" (Joseph Joubert)
Herzlich willkommen, Ihr Andreas Romani.

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Yield Management in der Hotellerie – der Hotelier ist am Drücker

Posted By Roman Brauner als Gastblogger on November 18th, 2010

Der Begriff des Yield / Revenue / Ertragsmanagement ist offensichtlich in der Hotellerie noch immer ein Buch mit 7 Siegeln. Zumindest konnte ich das heute während des Brennpunkt eTourism lernen.

Der Wettbewerb in der Hotelleriebranche steigt kontinuierlich und mit ihm der Druck auf die Hoteliers, Hotelzimmer und Dienstleistungen erfolgreich und vor allem effizient zu verkaufen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein Hotelier 365 Tage im Jahr 1 fixe Kapazität zum Verkauf parat hat. Anders als in der Flugbranche, kann der Hotelier in nachfrageschwächeren Zeiten (Zwischen-/Nachsaison) nicht Kapazitäten streichen. In der Luftfahrtbranche ist das leicht möglich: Entweder man dünnt Rotationen aus und betreibt eine Strecke weniger oft pro Tag oder man bedient sich eines kleineren Flugzeugs für die betreffende Route in einem bestimmten Zeitraum, oder auch nur tagesweise. Theortische Modelle in der Hotellerie, wie z.B. einen Haustrakt zu sperren bringen hier nur marginal Erfolg. Ein Kriterium eint die beiden Branchen aber:

Die Ware ist höchst verderblich.

Ein nicht verkaufter Sitz im Flugzeug ist genauso wie ein für 1 Nacht leerstehendes Hotelzimmer unwiderbringlich verloren. Die operativen Kosten bleiben davon allerdings weitestgehend unberührt.

Um den Herausforderungen der geänderten Wettbewerbsbedingungen optimal begegnen zu können, erfordert es vom Hotelier geeigneter Massnahmen, um effizient den diversen Kundensegmenten begegnen zu können.

Was ist Yield Management also nun genau?

Darunter versteht man ein Instrument zur dynamischen Preis- und Kapazitätssteuerung. Konkret geht es darum, die Nachfrage unter Berücksichtigung der spezifischen Bedarfssituation der Kunden durch höhere oder niedrigere Angebotspreise gezielt auf freie Kapazitäten zu lenken, um den Gesamtumsatz zu maximieren.

Einfacher ausgedrückt bedeutet Yield Management eigentlich nichts anderes, als das richtige Produkt zur richtigen Zeit zum richtigen Preis an den richtigen Kunden zu verkaufen, um den höchstmöglichen Ertrag zu erzielen.

Und doch passiert es, dass bei Fachtagungen (wie der heutigen) Tweets wie:

“nicht mehr der Hotelier bestimmt den Preis,
sondern häufig leider die Buchungsplattformen”

geschrieben werden.

In aller Kürze:

Pauschal gesehen ist das einfach falsch. Mitunter mag diese Aussage auf bestimmte Betriebe zutreffen. Als generelle These ist das weit gefehlt. Yield Management ist eine spezielle Form der Preisdifferenzierung

Durch Schaffung von Kontingenten – z.B. sieht man für einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Anzahl von Zimmern für reduzierte Preise vor und verkauft den Rest zum normalen Tarif – schafft man sich gezielt Steuerungsmöglichkeiten.

Im Allgemeinen gilt: First to come – First to serve

Ist dieses Kontingent aufgebraucht, so ist der entsprechende Tarif nicht mehr verfügbar. Wer zuerst kommt, bekommt den billigsten verfügbaren Tarif – nach außen sieht es so aus, als würden die Preise mit der Zeit steigen.

Die Herausforderungen stecken in der Basis und im Detail:

Die erste Frage die sich der Hotelier zwangsläufig stellen wird ist: Wann soll welches Kontingent welche Ausgangsgröße haben?
Hierbei können verschiedene Zugänge gewählt – am besten eine Kombination aus mehreren – angewandt werden:

1. Erstellung von Forecasts aufgrund historischen Buchungs/Nächtigungsdaten
2. Analyse der Zielpreise (jener Preise, welche die Zielgruppen zu zahlen bereit sind)
3. Mitbewerberbeobachtung – auch “benchmarking”

Aufgrund der Komplexität der Aufgabe benötigt man dazu leistungsstarke Computersysteme. Möglich wurde effizientes Yield Management überhaupt erst, seit man die Preise dank modernster Reservierungssysteme so ändern kann, dass sie nur konkreten Interessenten offeriert werden. Entwickelt sich die Auslastung gut, so werden höhere Preise verlangt, ist dagegen absehbar, dass Restkapazitäten übrig bleiben, werden die überschüssigen Kapazitäten zu niedrigeren Preisen verkauft. Gutes Yield Management schafft also eine gleichmäßige Auslastung auch bei stark schwankender Nachfrage und maximiert den Gesamtertrag, auch wenn die Durchschnittspreise geringer als geplant ausfallen.

Bedient sich nun der Hotelier einer “Multichannel Distributionspolitik” und ist mit deren Performance unzufrieden, sollten nicht pauschal die Kanäle dafür verantwortlich gemacht werden. Es obliegt am Ende des Tages noch immer einzig und allein dem Hotelier, SEINE Raten in den Kanälen zu publizieren. Schlecht betriebenes Raten Monitoring kann dazu führen, dass über Drittkanäle Preise angeboten und verkauft werden, die aus Sicht des Hoteliers falsch sind (Netto/Brutto Problematik, bereits geschlossene Kontingente noch saleable, etc.). Das hat natürlich zur Folge, dass daraus der Eindruck entsteht, als übernehmen die externen Buchungsplattformen die Kontrolle über die eigene Preispolitik. Wenn Sie mir aber bisher aufmerksam gefolgt sind werden Sie merken, dass das eine verzerrte Ansicht der Realität darstellt.

Wie man sieht, erfordert Yield Management entsprechendes Know-how.

Nicht nur technischer Natur, sondern auch Wissen um sein eigenes Unternehmen. Ja, Sie lesen richtig. Wenn ich als Hotelier keine Kenntnis darüber besitze, wie weit ich mit dem Preis heruntergehen kann und gleichzeitig kostendeckend agiere, so werde ich mir schwer tun, auch nur in irgendeiner Art und Weise eine vernünftige Preispolitik zu betreiben.

Aber auch folgende Fragen bleiben oftmals unbeantwortet:

* Von welchen Kundensegmenten wird mein Haus gebucht?
* Welche Kundensegmente bringen mehr Umsatz? – Stichwort Produktivität
* Wie kann ich umsatzstarke und umsatzschwache Zeiten steuern?
* Wie hoch ist meine Tagesfluktuation der Gäste? – Stichwort “NOSHOW” und Überbuchung

Daher ergeht mein dringender Appell an die Hoteliers, sich mit dem Thema bei Bedarf intensiv auseinanderzusetzen. Erklären Sie es zur “Chefsache” oder schaffen Sie zusätzlich Ressourcen im Unternehmen, die sich der Materie annehmen.

BITTE GLIEDERN SIE EIN YIELD MANAGEMENT NICHT IN DEN VERKAUF EIN!!!

Ein Verkäufer, der nie in die Hintergründe von Preisen, deren Entstehen und deren Steuerung eingeführt wurde, wird jedes Yield Management System zum Einsturz bringen. Ein Yield Management soll mit einer Verkaufseinheit zusammenarbeiten und dem Verkauf Bandbreiten vorgeben, in dem sich der Verkaug bewegenn kann und soll. In Stein gemeißelte Preise schwächen den Verkauf und bringen mitunter eine Schlechterstellung im Vergleich zum Mitbewerb.

Bleiben Sie proaktiv am Drücker und bedienen Sie sich der vielen angebotenen Tools!
Sie werden sehen, es lohnt sich…

Ihr Roman Brauner
http://romanbrauner.wordpress.com/

Das könnte Sie zum Thema Preise und Preisfindung auch interessieren:
“Detailliertes know how bekommem sie von uns!”
“Faszinieren statt rabattieren” und
“HSMA Pricing & Distribution Day Frankfurt” – aus meiner Sicht ein voller Erfolg!

Posted from Munich, Bayern, Germany.

Faszinieren statt rabattieren

Posted By Anne M. Schüller als Gastblogger on November 21st, 2009

prozentEgal ob Industrie, Dienstleistung oder Handel: Der Preis steht wieder deutlich stärker im Fokus. Und das betrifft nicht nur die Durchsetzung gewinnträchtiger Margen im Verkaufsgespräch sondern auch den Preisfindungsprozess. Das Pricing wird zwar immer härter, komplexer, chaotischer und verlustträchtiger – aber auch chancenreicher, wenn man es ideenreich anzugehen versteht.

Eine im Dezember 2008 durchgeführte Untersuchung des österreichischen Meinungsforschungsinstituts Marketagent brachte folgendes zutage: Nicht etwa Finanzierungsschwierigkeiten oder Marktsättigung und Wettbewerbsdruck bereitet den Managern die größten Probleme, sondern das Thema Preise. Es landete auf Platz eins einer vierzehn Themen umfassenden “Sorgenskala”. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie haben aber nicht immer nur mit einer höheren Preistransparenz und gestiegener Preissensibilität zu tun. In vielen Fällen sind sie hausgemacht.

Die meisten Firmen beherrschen nämlich weder Kosten noch Preise, sondern werden von den Preisen beherrscht, die der Markt oder die Konkurrenz vorgeben. “Wir müssen noch mal mit den Preisen runter, sonst verkaufen wir am Ende gar nichts mehr“, heißt dann die Devise. So liefern sich ganze Branchen Preisschlachten mit verheerendem Ausgang. Bei Preisgesprächen geht es aber nicht immer nur um leere Portemonnaies. ‘Geiz ist geil’ ist in Wahrheit ein Spiel für (Schnäppchen-)Jäger und (Sonderangebots-)Sammler. Seien Sie auf solche Spiele gut vorbereitet! Werden Sie preis-kreativ!

Eine kleine Bestandsaufnahme

“Bioprodukte gehen bei uns gar nicht”, sagte mir kürzlich eine Bäckereiverkäuferin. Ich konnte es kaum glauben und ging im Laden auf Beobachtungsposten. Schon bald kam die erste Kundin und fragt: “Also, Sie haben hier Bio-Brötchen und ganz normale Brötchen. Was ist denn da der Unterschied?” Daraufhin die Verkäuferin: “Die Bio-Brötchen sind teurer.” Hier mag man perplex den Kopf schütteln, denn ganz offensichtlich müsste die Argumentation in eine ganz andere Richtung gehen. Doch wer genauer hinsieht, wird feststellen: Viele Verkäufer sind reine Preisverkäufer, auch in ihren Verkaufsgesprächen dreht sich alles um den Preis. Wer allerdings immer nur über seine Preise spricht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Kunden nur noch nach den Preisen fragen.

Nicht jeder Kunde will billig kaufen! Der Billig-Preis spielt oft eine viel geringere Rolle, als uns Medien und Verkäufer glauben machen. Und es gibt Geld in Massen. Auf Sparkonten zum Beispiel. Wie attraktiv sind Sie, um es von dort loszueisen? Ein Verkäufer muss Wünsche wecken können, von denen der Kunde gestern noch nicht wusste, dass er sie heute haben wird. Der Kunde muss Ihr Produkt unbedingt haben wollen. Ihr Angebot muss ihn wie magisch anziehen. Ein Bäcker muss demnach seine Kunden nicht satt sondern hungrig machen.

‘Billig-Billig’ ist mit einem Verrohen der Sitten, mit einem Verfall von Dienstleistungsqualität (Service ist teuer) und mit Vertrauensschwund (“Hätte ich das nicht irgendwo, nächste Woche noch billiger bekommen können?”) verbunden. Preisdumping ist nicht selten sogar lebensbedrohlich: für das Unternehmen – und den Verbraucher. Gerade jetzt sollte es nicht kurzsichtig um das Aufpolieren von Quartalsergebnissen gehen – sondern um unternehmerische Zukunftssicherung. Und dazu kann der Vertrieb eine Menge beitragen. In vielen Branchen ist der Preis ja schließlich der Ertragstreiber Nummer eins.

Die Achillesferse des Verkäufers

Der Preis ist die Achillesferse des Verkäufers – beim Preis ist er am besten zu packen. Das Argument “zu teuer” ist oft nichts anderes als ein Testballon, um mal zu sehen, wie der Verkäufer reagiert. “Zu teuer” ist ein sehr praktischer Vorwand – eine Vorwand im wahrsten Sinne des Wortes – um seine wahren Motive zu verschleiern. “Zu teuer” sagt vielleicht der Kunde, dem Sie im Verkaufsgespräch nicht genug Achtung, Aufmerksamkeit und Anerkennung gezollt haben, weil Sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren. “Zu teuer” wird es heißen, wenn Sie an Kundenbedürfnissen vorbeiargumentiert haben, weil Ihre Antennen nicht ausgefahren waren. Was für den Kunden nicht relevant ist, was man nicht wirklich will und braucht, ist immer zu teuer.

“Zu teuer” ist vielleicht die Strafe des Einkäufers, den Sie nicht mögen, den Sie für einen Abzocker oder Nullchecker halten, den Sie verschlagen finden und auf internen Meetings gern als Horrorkunden präsentieren. Denn Ihre Gestik und Mimik wird Ihre Einstellung verraten. Und der Einkäufer wird sich dafür an Ihrer schwächsten Stelle rächen: beim Preis!

“Zu teuer” ist also nicht selten die Strafe des Kunden für eine unprofessionelle verkäuferische Leistung. Oder er will mit “zu teuer” ganz einfach sagen: Beweisen Sie mir, dass sich die Investition für mich wirklich lohnt! Wer öfter im Preisgespräch scheitert, sollte sich auch fragen, was das möglicherweise mit ihm selbst zu tun hat. Dies ist zweifellos der schwierigere Weg, denn es ist ja so leicht, ständig die Außenwelt, also die eigenen Kollegen, die schwierigen Kunden oder den unfairen Wettbewerb zum Sündenbock zu erklären.

Verkäufer, die glauben, dass Kunden nur wegen günstiger Preise kaufen, blockieren sich im Kopf für alle anderen kreativen Lösungsmöglichkeiten, denn sie signalisieren dem Hirn: Kein Grund, sich anzustrengen, spar dir die Energie! Leichtfertig vergebene Rabatte sind oft nur ein Ausdruck von Ideenlosigkeit und mangelhafter Beschäftigung mit dem, was den Kunden wirklich bewegt – in rationaler und in emotionaler Hinsicht. Und: “Das war dem Kunden mal wieder zu teuer!” ist eine von vielen Verkäufern gern gewählte Schutzbehauptung, um den eigenen Misserfolg zu kaschieren.

Bei Vergleichbarkeit entscheidet der Preis

Anbieter müssen vor allem aus der Vergleichbarkeit heraus, denn bei Vergleichbarkeit entscheidet immer der Preis. Was man zum Beispiel tun kann: einzigartige Preis-Leistungs-Kreationen schaffen, um mit innovativen, schwer kopierbaren Wahlmöglichkeiten Kunden zu faszinieren. Oder: Dienstleistungspakete neu erfinden, um Waren knapp und begehrlich zu machen. Hierzu braucht es das Ohr am Markt. Wer seinen Kunden wirklich nahe ist, kann sehr, sehr viel über sie wissen.

Und wer hat dieses Wissen? Natürlich die Mitarbeiter, die am nächsten dran sind am Kunden! Kundennähe ist ein strategischer Erfolgsfaktor. “Wer ein Duschgel macht und seine Kunden wirklich verstehen will, der muss zu ihnen unter die Dusche gehen”, sagte mir kürzlich der Produktmanager eines Markenartikel-Konzerns. Tauchen Sie ein in die Welt des Kunden, befragen Sie ihn, beobachten Sie ihn, sammeln Sie alle seine Anregungen, ergänzt um eigene Ideen, in einer Ideenbank. Organisieren Sie Zukunftsworkshops, machen Sie Kreativsitzungen, entwickeln Sie ein Ideenmanagement – mit Hilfe des Kunden.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Innovationen erfolgreicher sind, wenn die Kunden eingebunden wurden. Dies senkt nicht nur das unternehmerische Risiko, sondern baut zusätzlich Eintrittsbarrieren für den Wettbewerb auf. Denn jedes Involvieren schafft Verbundenheit. Kunden lieben und loben Produkte umso mehr, je intensiver sie beim Entwicklungsprozess mitreden dürfen. Hierdurch entsteht Vertrauen – und ein Stück weit auch ein “Mein Baby”-Gefühl. Und wer lässt schon gerne sein Baby im Stich?

Was die Hirnforschung zum Preisthema sagt

Die Aussicht, Geld zu erhalten oder durch ein Schnäppchen Geld einzusparen, stimuliert unser cerebrales Belohnungssystem. Rabattaktionen rufen demnach die Aussicht auf ein positives Ereignis hervor. Und mehr noch: Bei Erwartung einer Vergünstigung werden hirninterne Kontrollmechanismen zurückgeschaltet. Der Verlust von Geld hingegen aktiviert ein Hirnareal, das auch für die Schmerzverarbeitung zuständig ist: die Insula. Allein auf einen Preis zu schauen tut also weh.

Ein Rabattsymbol oder ein an das Produkt gekoppelte gute Gefühl neutralisiert diesen Effekt. Die Verrechnung führt dann zum Kauf – oder auch nicht. Wie neurowissenschaftliche Untersuchungen festgestellt haben, zeigen insbesondere die Hirnaktivitäten Kaufsüchtiger ein verstärktes Verlangen nach einem begehrenswerten Produkt verbunden mit einem gleichzeitig geringeren Verlustempfinden für Geld. Das Habenwollen besiegt die Vernunft.

Und so fasst dies Bernd Weber vom Neuroeconomics Lab an der Universität Bonn zusammen:

  • Es existiert ein “Kaufnetzwerk” im Gehirn.
  • Hierbei werden Abwägungen zwischen dem Verlangen nach einem Produkt sowie dem Verlustempfinden für das Geld getroffen.
  • Dieses System ist nicht statisch, sondern wird durch verschiedene Faktoren moduliert (z.B. Rabatte, zeitlich versetzte Bezahlung usw.).

Hirnforscher können inzwischen allein aufgrund der Aktivierung entsprechender Hirnareale feststellen, ob die Probanden ein Produkt kaufen würden oder nicht. So stellt sich jedem Unternehmen die Frage: Wodurch verschaffen wir unseren Kunden Belohnungen in Form von guten Gefühlen?

Dabei gilt: Je stärker die subjektiv empfundene Belohnung im Zuge eines Kaufs ist, desto mehr Geld-Schmerz sind wir bereit, dafür zu zahlen. Gute Gefühle dürfen kosten. Wer hingegen kein gutes Gefühl erhält, der tröstet sich (Trostpreis!) höchstens mit Billigpreisen oder Rabatten darüber hinweg. Das erkläre auch die geringe Kundenloyalität in Märkten, die sich im Preiskampf befinden, so Christian Scheier in seinem Buch Was Marken erfolgreich macht: Die cerebralen Belohnungen fehlen. Belohnungen machen süchtig – und damit auch loyal.

Was Menschen wirklich kaufen

Wer den Preiswettbewerb der Zukunft gewinnen will, muss sich also mehr einfallen lassen, als wahllos die Preise zu senken. Eine positive Preiswahrnehmung wird nicht durch einzelne Billigpreise geprägt, sondern durch eine konsistente, nachvollziehbare und kundennahe Preisstrategie. Der Preis ist das Opfer für einen erhaltenen Nutzen und ein gutes Gefühl. Kunden müssen also den Preis im Vergleich zur erhaltenen rationalen und emotionalen Leistung als günstig erleben. Wer nach subjektivem Empfinden mehr Nutzen bekommt, als er dafür zahlen muss, ist zum Kaufen bereit.

Letztlich kaufen Menschen keine Produkte, sondern Problemlösungen und gute Gefühle, respektive die Erfüllung ihrer Wünsche und Träume. Und das betrifft nicht nur das Consumer-Geschäft. Auch die scheinbar so sachlichen, in den männerdominierten Führungsetagen getroffenen strategischen Entscheidungen haben meist mit Emotionen zu tun: mit Prestige, mit Macht, mit Reviergehabe, mit Positionskämpfen, mit der Angst, den Anschluss zu verlieren oder der Sorge um das berufliche Überleben. Verkäufer müssen also Menschenversteher und nicht Preisbrecher sein.

Wer sich dauerhaft aus dem Preiskampf verabschieden will, zerlege einmal alle kundenrelevanten Prozesse in ihre einzelnen Schritte. Bei jedem Kundenkontaktpunkt (Customer Touchpoint) wird dann überlegt, wie man die Interaktion mit seinen Kunden besser gestalten, ihr Leben vereinfachen und ihren Nutzen vergrößern kann. Oder wie man sie emotional berühren, ihr Dasein versüßen, ihnen Zeit schenken und sie immer wieder aufs Neue überraschen kann. Nicht Geld ist für viele Kunden die knappste Ressource, sondern Zeit. Und für manche ist Raum, Ruhe und Freiheit der größte Luxus. Wer sich solche Dinge kaufen will und kann, der schaut nicht aufs Preisschild.

Die Autorin

Anne M. Schüller ist Management-Consultant und gilt als führende Expertin für Loyalitätsmarketing. Über 20 Jahre lang hat sie in leitenden Vertriebs- und Marketingpositionen verschiedener internationaler Dienstleistungsbranchen gearbeitet und dabei mehrere Auszeichnungen erhalten. Die Diplom-Betriebswirtin und achtfache Buchautorin zählt zu den besten Keynote-Rednern im deutschsprachigen Raum. Sie arbeitet auch als Business-Trainerin und lehrt an mehreren Hochschulen. Sie gehört zum Kreis der ‘Excellent-Speakers’. Ihr Buch ‘Kundennähe in der Chefetage’ wurde mit dem Wirtschaftsbuchpreis 2008 ausgezeichnet. Zu ihren Kunden zählt die Elite der deutschen, schweizerischen und österreichischen Wirtschaft.

Kontakt: www.anneschueller.de

Buchtipp:
Anne M. Schüller
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BusinessVillage 2009, 224 Seiten, 24,80 Eur[D] / 25,60 Eur[A] / 37,90 CHF UVP
ISBN-13: 978-3-938358-95-5