Hotelmarketing Blog

RONOMIE – Vom Berufsbild des Gastronomen in einer digitalen Welt

Im Vor- und Nachfeld der Jahresversammlung des Hotel- und Gaststättenverbands (Stadt und Landkreis Schweinfurt) gab es eine „Diskussion“ per email. Es ist kein Geheimnis, dass ich den Kollegen angesichts der immer wichtiger werdenden online Aktivitäten der Menschen (und immer mobiler werdenden Menschen) immer wieder nahe lege, sich um ihr Onlineprofil zu kümmern.

Im Fachjargon heißt das „Monitoring“.

Man soll im Netz nachsehen, was die Menschen um einen herum über einen schreiben. Das ist besonders für die Gastronomie und Hotellerie sehr wichtig, denn hier geht es gerade um sehr emotionale Themen. Wie Menschen umsorgt, verpflegt und gebettet werden, mit welcher Fürsorge (oder auch nicht) dies geschieht, berührt die Emotionen. Und das ist, worüber die Menschen sich auch mitteilen.

Ich bin also schon im Kreis der Gastronomen und Hoteliers im Landkreis verschrien als derjenige, der sich diesem Onlinewahn hingibt, der sein Leben in der Öffentlichkeit des Netzes lebt. Ich bin es, der (fast) jedes neues Spielzeug der Onlinegeneration ausprobiert, um zu sehen, ob es dem Dialog mit meinen Gästen dienen könnte. Das wird oft belächelt, was ich auch verstehen kann.

Folgendes Statement und die darin integrierte Bitte wurden nun an mich heran getragen:

„Das Berufsbild Wirt wirkt von Angesicht zu Angesicht, das Berufsbild Webdesigner von IP-Adresse zu IP-Adresse. Vergesse bitte nicht die Wurzel: Wenn jeder Gast online bestellt, seinen Bildschirm zum Kamin umwandelt und via „Zweitscreen“ mit seinen Freunden in der ganzen Welt anstößt, während er sein vom Catering-Service angeliefertes Essen verzehrt, dann ist Gastronomie wohl nur noch eine Ronomie“.

Das suggeriert, dass ich das gastronomische Erlebnis, den Kontakt zwischen Wirt und Gast vollkommen ins Netz verfrachten wolle.
Nichts ist mehr falsch als das. Der Kernpunkt der Gastronomie ist und bleibt das Verhältnis zwischen Gastgeber und Gast. Dieses ist – im Optimalfall – auch überhaupt kein einseitiges Verhältnis. Nicht nur im wirtschaftlichen Sinne profitieren beide „Geschäftspartner“ von der Begegnung.
Gerade in der Gastronomie ist die größte Chance gegeben, dass Dienstleister und die/derjenige, der diese Dienstleistung für sich in Anspruch nimmt, auch wahre Freunde werden, am größten.

Nur: wenn die Welt und die Gesellschaft sich im Wandel befinden und die Menschen mehr und mehr zum Internet greifen, um sich über ihre wahren Leidenschaften und Hobbies auszutauschen, ihre Freunde und Gleichgesinnten darin suchen und finden – warum sollen wir dann diesen Kanal nicht nutzen, um unseren Gästen und Freunden den Kontakt zu ermöglichen?

Ganz sicher ist. Eine online Bestellung ist genauso viel wert, wie eine offline Bestellung. Im Punkto Kamin gilt: ein echter Kamin, mit brennendem und rauchendem Holz ist sicherlich einem virtuellen Feuer gegenüber zu bevorzugen.
Mit den Freunden in aller Welt mittels Internet zuzuprosten? Das lobe ich mir. Denn so halte ich den Kontakt zu vielen ehemaligen Gästen, die so auch wieder zu zukünftigen Gästen werden und vor allem zu Empfehlern werden. Und auch den Caterer, der das Essen (bzw. die Kochkunst) an den vom Gast gewünschten Genuss-Ort bringt, würde ich nicht schmälern. Auch er ist ein Teil unserer kulinarischen Kultur.
Selbst im Zeitalter des Internet wird in der Gastronomie der Gast noch immer die zentrale Rolle spielen und ich fürchte die „Ronomie“ deswegen nicht.

Ich empfinde solch Diskussionen, die das Für- und Wider von Internet und Netzkultur als absolute, dem analogen gegenüberstehende Werkzeuge gegenüberstellen, als ziemlich müßig.

Klar ist: die Welt ist im Fluss. Wir werden uns immer (und immer schneller) weiter entwickeln. Wir können dieser Entwicklung zusehen, oder an ihr mitarbeiten.

Ihr Alexander von Halem
Hotel Schloss Zeilitzheim im Fränkischen Weinland

© 2010 – 2012, Alexander von Halem als Gastblogger. All rights reserved.

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1 Comment

  • Sehr offen und wunderbar ehrlich geschrieben!

    Schade, dass sich manche Gastronomen (oder auch andere Betriebe) sich so gegen das Medium Internet sträuben. Es ist ja nicht nur die Ablehnung für das eigene Marketing, aber dann auch noch herablassend auf die Jüngeren, die das Internet nutzen,zu verweisen, zeigt einfach ihre konservative Einstellung.

    Ihr altbewährtes Marketing wird noch einige Jahre funktionieren, aber was dann?

    Nochmals danke für die Mitteilung!


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